Die Geschichte der Geigenbauschule

Die Schweizer Geigenbauschule wurde 1944 in Brienz gegründet. Der Ort war nicht zufällig gewählt: Brienz blickt auf eine lange Holzschnitzertradition zurück. Als die Tourismusbranche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einbrach, suchte man nach neuen Perspektiven für das lokale Handwerk. Die Idee, die Holzschnitzerei durch den Geigenbau und die Herstellung von Zubehör für Streich- und Zupfinstrumente zu ergänzen, stand am Anfang der Schule.
Gegründet wurde die Schweizer Geigenbauschule auf Initiative von Prof. Dr. Heinrich Hanselmann, Heilpädagoge, Musikliebhaber und Besitzer einer bedeutenden Sammlung Schweizer Geigen, sowie Dr. Max Gafner, Regierungsrat und Berner Volkswirtschaftsdirektor. Gemeinsam riefen sie 1943 den «Verein der Freunde der Schweizer Geige» ins Leben, der als erster Träger des neu gegründeten Lehrbetriebs fungierte, der am 1. Juli 1944 seinen Betrieb aufnahm– unter einfachsten Bedingungen.
In den 1950er-Jahren bezog die kleine Geigenbauschule das Untergeschoss der Brienzer Schnitzlerschule, der heutigen Schule für Holzbildhauerei. Wenig später wurde sie als Abteilung der Schnitzlerschule zur "Kantonalen Geigenbauschule". 1982 folgte ein erneuter Umzug an den heutigen Standort an der Oberdorfstrasse 94 ins "Glaserhaus". Das Gebäude wurde eigens dafür saniert und um einen Anbau für die Lehrwerkstatt ergänzt.
In den 1990er-Jahren geriet die Schule erneut in eine schwierige Lage: Aufgrund kantonaler Sparmassnahmen wurde 1996 die Schliessung auf das Jahr 2000 verfügt. Dank grossem Engagement aus Brienz und aus Fachkreisen gelang es dem Komitee «Rettet die Geigenbauschule», die Voraussetzungen für eine private Trägerschaft zu schaffen. Seit 1998 besteht die Geigenbauschule als private Lehrwerkstatt und wird von der Stiftung Geigenbauschule Brienz getragen.
Heute ist die Schweizer Geigenbauschule ein moderner Ausbildungsort mit historischer Verankerung. Seit dem Umbau 2017–18 steht der Schule die gesamte Liegenschaft an der Oberdorfstrasse 94 zur Verfügung. Generationen von Lehrpersonen und Schulleitenden haben die Schule geprägt und weiterentwickelt – von Adolf König, dem ersten Leiter der Schule, bis zu Hans Rudolf Hösli und Simon Glaus, die den Übergang in die private Trägerschaft und den Ausbau des heutigen Schulbetriebs massgeblich mitgestaltet haben.





